Gerold Schacker

Ein scheidender Chefarzt beschreibt, wie sich die Machtverhältnisse im Krankenhaus in den vergangenen Jahren verschoben haben.

Seit 1982 habe ich als Arzt in der Kinderklinik des immer selben Krankenhauses gearbeitet; zuletzt als Chefarzt.

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Seitdem beginnen sich die Konturen des ärztlichen Berufsbilds zu verwischen, sodass ich mich frage: „Bin ich wirklich noch Arzt, als der ich früher einmal angetreten bin, oder bin ich zum Hampelmann der Geschäftsführung degeneriert?“

Blind für das Wesentliche

Um im anscheinend erbarmungslosen Konkurrenzkampf der Krankenhäuser

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Was erwartet ein Patient von einem Krankenhaus? Nach meinen Erfahrungen vor allem medizinische Kompetenz und menschliche Nähe.

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Die Tendenz zum Machtgewinn der Geschäftsführungen

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„Patienten-Akquisition“

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Wer die Begeisterungsfähigkeit des Einzelnen am Leben erhält und fördert, wird ungeahnte Potenziale entdecken, die sowohl den einzelnen Menschen voranbringen als auch dem Unternehmen dienlich sind.

Pflegekräfte und Ärzte dürfen sich nicht länger vorwiegend betriebswirtschaftlichen Zielsetzungen unterwerfen, sondern sollten ihre ureigensten Tugenden stärken und weiter entwickeln: Achtsamkeit, Wohlwollen und Wertschätzung gegenüber den anvertrauten Patienten.

Jenseits der Bürokratie

Ich bin dem Gesetzgeber und auch meinem Arbeitgeber dankbar, dass man mir durch das Gewähren der Altersteilzeit ermöglicht hat, zwei Jahre früher als üblich aus meinem offiziellen Berufsleben „auszusteigen“. Natürlich will ich noch etwas länger meiner ärztlichen Tätigkeit nachgehen. Ich kenne inzwischen einige Kollegen, denen als Pensionäre die Augen leuchten, wenn sie von ihren Erlebnissen in der Dritten Welt erzählen. Dort konnten sie jenseits ihrer früheren bürokratisierten, kontrollierten und reglementierten Arbeitswelt ein Arzt-Patienten-Verhältnis pflegen, von dem sie sich in den letzten Jahren im Krankenhaus weit entfernt hatten. Auch ich hoffe auf eine Tätigkeit an einem Ort, an dem ich die Liebe, das Leben und den Respekt für den Menschen und die Schöpfung neu entdecken kann.

Dr. med. Wolfgang Storm

https://www.aerzteblatt.de/archiv/61590/Aus-dem-Abschiedsbrief-eines-Krankenhausarztes-Von-Aerzten-und-Hampelmaennern

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